Das lässt sich hören

von Ramona Hapke am Montag, 1. Februar 2010 Kategorie(n): E-Business, Internet, Marketing, Public Relations

Audio in der Unternehmenskommunikation
Hören liegt im Trend. Die kundenadequate Realisierung verschiedenster Kommunikations-Aufgaben äußert sich in der Zunahme von Podcast-Angeboten im Internet, im Ruf nach barrierefreien Websites, in der Orientierung an Audio- und Videoformaten im Marketing, Audio-Chats und vielem mehr.

Es sind längst nicht mehr nur die großen TV-Sender und Verlage, die mit Audio den Markt durchmischen, sondern auch Politiker, Versandhäuser und Agenturen sowie Blogger in eigener Regie oder im Kunden-Auftrag. Begriffe, wie Audio Corporate Design, Audio-CI, Audio-Signet, Audio-Branding, Audio-Marketing, Corporate Sound machen hör- und sichtbar auf sich aufmerksam, manche existieren als Synonyme nebeneinander.

Höralternativen werden in Zeiten visueller Informationsflut mit einem attraktiven Mehrwert verbunden. Dafür gibt es mehrere Gründe: Audio-Nutzer können selbst entscheiden, wann und in welchem Umfang sie Informationen anhören wollen. Unternehmen gestalten ihre Informationen gleich welcher Art durch die Kombination von Text und Audio flexibler. Wichtig in diesem Zusammenhang auch: Das gesprochene Wort weckt Emotionen. Der akustische Teil einer Corporate Identity ergänzt den Wiedererkennungswert eines Unternehmens.

Ob die Hörinhalte am eigenen PC oder in einem Tonstudio aufgenommen werden, hängt von der Aufgabenstellung, der Publikationsart und dem Kostenrahmen ab.

Hören statt lesen – Audio-Dateien im kommerziellen Einsatz

Für Oliver Gassner (http://www.oliver-gassner.de/), Journalist und begeisterter Podcaster, geben Audio- und Videodateien sowie Weblogs in der externen Unternehmenskommunikation den Ton an. Für Podcasts mit individuellem Touch spricht er aber lieber selbst ins Mikrofon. Eine Software wie das „Voice Reader Studio“ würde er für die Umwandlung großer Textmengen und zum Vorlesen von News einsetzen.

Eine stärkere Nachfrage nach Audio- und Video-Produktionen bestätigt Michael Doepke, Meister für Veranstaltungstechnik (http://www.midoe.de/). Werner Laude, Inhaber der gleichnamigen Webagentur, hört News, während er surft. „E-Learning und Video haben Zukunft“, daran lässt er keinen Zweifel.

Sehbehinderte wie Jan Eric Hellbusch, Berater für barrierefreies Webdesign (www.2bweb.de), profitiert von Audio-Beiträgen auf Internetseiten. Sein Screenreader sagt den Link zu einer Audiodatei an. Doch „audio“ allein genügt hier nicht. Der Audio-Beitrag sollte nach Meinung von Jan Eric Hellbusch nicht in die Seite integriert, sondern in einem neuen Fenster in einem Media-Player geöffnet werden. Der Link zur Audio-Datei wird entsprechend textlich beschrieben. Andernfalls kommt es zu einem technischen Konflikt mit dem Screenreader. Findet der Anwender die Bedientasten des Players nicht, sieht er möglicherweise von einer Nutzung ab. Sehbehinderte Menschen, das weiß Hellbusch aus jahrelanger Berufstätigkeit, empfinden das Hören als sehr angenehm.

Schwerhörige oder gehörlose Menschen haben keinen Zugang zu den Audio-Informationen. Für diese Zielgruppe sind eine textliche Beschreibung des Hörbeitrags und Untertitel oder Textabschriften notwendig.

„Für ältere Internet-Surfer und Behinderte kann der Nutzen eines Produktes auf einfache Weise in einem Audiobeitrag geschildert werden, das Lesen umfangreicher Bildschirmtexte entfällt“, beschreibt die Webentwicklerin Miriam Torbeck (www.torbeck.de) den Nutzen von Audioangeboten. Will ein Unternehmen Produkt-Beschreibungen mit einer ausführlichen Darstellung unterschiedlicher Anwendungs-Szenarien publizieren, sei ein Vorlese-Service auf der Webseite eine geeignete Variante.

Ramona Hapke (Hapke Media), PR-Managerin und freie Journalistin, nutzt eine Software zur Produktion von Audio-Files. Sie sieht den Einsatz des Voice Reader Studios (kurz: VRS) im Nischenbereich der kurzlebigen Nachrichten. Bei häufigem Einsatz amortisieren sich die Anschaffungskosten von 499,00 Euro schon recht bald, schlussfolgert sie. Der passende Content, effizient aufbereitet, sei wie bei den Blogs entscheidend, wenn der Beitrag erfolgreich sein soll. In ihrem Landkreis halten sich Nachfragen nach Blogs und Podcasts für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Grenzen. Ramona Hapke begründet dies mit der eingeschränkten Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen.
Medium: MP3
Link: MP3

VRS könnte sich RSS-Blogger Siegfried Hirsch von der Münchener Firma hhS (www.hhs.de) gut im Einsatz bei Enterprise-Lösungen vorstellen, wenn umfangreiche Informationen im Unternehmensnetzwerk per Intranet oder RSS verteilt werden. Damit wäre gerade für Außendienstmitarbeiter eine neue Möglichkeit gegeben, sich auf der Fahrt zum Kunden via Podcasts über Wichtiges aus dem Unternehmen zu informieren.

Der Webdesigner und Podcaster Gerrit van Aaken bezeichnet Hörinhalte als extrem wichtig. Auch in Zukunft werden Manager oft und viel unterwegs sein und dank mobiler MP3-Player verschiedenste Hör-Inhalte aufnehmen. Aus Unternehmenskreisen weiß er, dass sich Audiodateien für interne Schulungen und Nachrichten etablieren.

Eine Podcasterin der ersten Stunde ist die Journalistin Annik Rubens, die mit „Schlaflos in München“ mehrere Tausend Hörer täglich in ihren Bann zieht. „Einfach anfangen, nicht lange zögern“, so beschreibt sie den Start ins Podcasting und gibt eine Reihe von Praxis-Tipps in ihrem Buch „Podcasting. Das Buch zum Audiobloggen“.

Mit Studio-Software gehen Unternehmen kostenneutral auf Sendung
Den Anforderungen an die Produktion qualitativ hochwertiger Audiodateien wird die Software „Voice Reader Studio“ von Linguatec gerecht. Mit ihr lassen sich auf dem PC im privaten, vor allem aber geschäftlichen Umfeld eine Reihe von Aufgaben zeitnah und in herausragender Qualität bewerkstelligen: ein neuer Text für den Anrufbeantworter, die Vertonung einer Präsentation, das Vorlesen von Webseiten, die Produktion von Podcasts, Audio-Newslettern und Hörbüchern, das Kommentieren von Videos und Flashanimationen, die Aufbereitung von wissenschaftlichen Themen sowie die Produktion von Meldungen und Durchsagen.

Auf Knopfdruck (Datenexport) macht das „Voice Reader Studio“ aus einem Text (DOC, RTF, TXT, HTML ) Audio-Dateien in den Formaten MP3 und WAV. Gesprochen wird der Text wahlweise von einer männlichen oder weiblichen Stimme.

Die Software VRS lässt starre Computerstimmen in Vergessenheit geraten. Für eine gute Qualität setzt der Hersteller auf Sprachsynthese. Die Firma Linguatec ließ bei der Entwicklung ihrer Software zunächst viele Stunden lang Tonaufnahmen mit ausgebildeten Studiosprechern machen und erstellte eine Reihe von Sprecherprofilen. Danach wurden die aufgezeichneten Tonaufnahmen in kleine Einheiten zerschnitten. Dieses Rohmaterial wird während des Vorlesens und anhand der Textvorlage auf intelligente Weise neu zusammengesetzt.
Damit die Aussprache einzelner Wörter, vor allem aber die Sprachmelodie der Sätze möglichst natürlich klingt, sind komplexe linguistische Algorithmen nötig.

Der Anwender steuert die Sprachausgabe über das Menü „Optionen“ oder per Regler für Tonhöhe, Sprechgeschwindigkeit und Lautstärke. Sind mehrere Sprachen installiert, wählt der Nutzer im Menü die gewünschte Sprache aus. Die von ihm vorgenommen Einstellungen kann er in Sprecherprofilen speichern und für eine spätere Verwendung abrufen und modifizieren. Besonders nützlich ist diese Funktion bei der Produktion von Dialogen.

Im allgemeinen erzielt der Anwender mit klar strukturierten Sätzen bessere Ergebnisse als mit Schachtelsätzen. Aussprache-Korrekturen gelingen mit dem Ausspracheeditor. Die Definition von Ausnahme-, Mehrwort- und Einzelwortlisten erhöhen die Flexibilität der Sprachausgabe. Ganz nebenbei deckt der Anwender Tippfehler auf, sobald er sich den Text anhört.

In den zu produzierenden Beitrag können Soundeffekte im Format WAV integriert werden, wie Applaus oder Musik, allerdings nicht als permanentes Hintergrundgeräusch. Derartige Effekte erzielt der Anwender beispielsweise durch eine Nachbearbeitung mit der kostenlosen Software Audacity.

Die mit dem VRS erzeugten Dateien dürfen einer Vielhörerschaft zur Verfügung gestellt werden. Plug-ins für die Microsoft-Anwendungen Word, Outlook und Powerpoint sowie Adobe Acrobat ab Version 7.0 erlauben es, VRS direkt von der jeweiligen Anwendung aus aufzurufen. Die Software bringt ein kleines Tool mit, das sich im Infobereich der Taskleiste verbirgt, solange es nicht benötigt wird. Möchte der Anwender eine Textpassage aus einem Dokument oder der Zwischenablage vorlesen lassen oder als Audiodatei speichern, steht VRS sofort zur Verfügung.

Alternativ können Firmen das Vorlesen ihrer Webseiten über den Linguatec-Webdienst (www.linguatec.de) organisieren, ohne den eigenen Server zu belasten. Hörbeispiel: www.mallorcatours.net

Wann sich die Vertonung rechnet
Insbesondere bei häufig wechselnden Inhalten wie News-Artikeln und Podcasts ist der Aufwand einer herkömmlichen Vertonung im Tonstudio oft zu groß und kostenmäßig unrentabel. Soll der gesprochene Text dialektfrei sein oder können Anwender selbst nicht fließend sprechen, ist die Verwendung der Software hilfreich.

Thomas Pfeiffer, Geschäftsführer von „Pfeiffer.Kreativ – Cross Media Marketing“, hält das Voice Reader Studio für ein geeignetes Instrument, schnell und unkompliziert Audiodateien zu erzeugen. „Es hapert an einigen Artikulierungen, aber die sind halt ‚menschlich’ “. In seinem Tonstudio produziert Pfeiffer u. a. Telefonansagen mit Hintergrundmusik und professionellen Sprechern sowie aufwändige Firmenpräsentationen für große Unternehmen. Seiner Ansicht nach sind die Grenzen des VRS dann erreicht, wenn menschliche, ganz individuelle Stimmen das Kommunikationsziel unterstützen sollen.

Die Aufnahmen im Tonstudio rechnen sich laut Pfeiffer, weil aus der Aufnahme mehrere Anwendungen abgeleitet werden, z. B. für den Hörfunk oder das Fernsehen (Videos). Die professionelle Herstellung von Audiobeiträgen sei günstiger geworden, die Lieferzeiten liegen bei ca. zwei Stunden für Kleinaufträge. Pfeiffer beziffert den finanziellen Aufwand hierbei mit 300 bis 400 Euro.

Stefan Nierwetberg von den Regensburger P&P Studios begrüßt den Hörtrend. Audioangebote versteht er auch als Brücke zu bestimmten Inhalten. Er stellt in seinem Tagesgeschäft fest, dass der Begriff „Podcast“ im Mittelstand angekommen ist und Kommunikation als Teil des Endkundengeschäfts über Audio-Formate an Bedeutung gewinnt. Er schränkte aber ein, dass der Kundennutzen erkennbar sein muss und vor allem technikaffine, mobile Nutzer Firmen-Know-how über Podcasts empfangen. Eine Software wie das „Voice Reader Studio“ sei bei Berücksichtigung der Corporate-Identity-Anforderungen qualitativ nicht ausreichend. Nierwetberg schätzt die Kosten für eine fünfminütige Podcastproduktion bei geliefertem Content und die professionelle Nachbearbeitung auf etwa 600 Euro.

Die Zukunft des O-Tones
Audio- und Videoangebote sind aus einer zeitgemäßen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. “In der PR sind sie längst Standard”,  bestätigt Ramona Hapke.

Tina Leebs tägliches Geschäft im Leipziger „Ideen.Quartier“ sind CR-Strategien für den Mittelstand. „Für junge Firmen ist das Thema Audio bereits Alltag, von der älteren Generation geführte Unternehmen werden noch eine ganze Weile brauchen, Audio in der Kommunikation gezielt einzusetzen.“ Audio ist Trend, darin ist sie sich ganz sicher.

„Audio“ als Begleiter für unterwegs, welcher Marketer könnte da widerstehen? „… bis 2010 spricht man von 60 bis 80 Millionen Nutzern weltweit“, sieht Alexander Wunschel, Geschäftsführer des Markting-Clubs München, den Podcast-Markt wachsen. (Quelle: www.prblogger.de).

“Podcasts sind momentan das heißeste Thema”, begeisterte Abbichu Teferra von der Berliner Infopark AG die Teilnehmer an einem Entscheider Briefing Ende letzten Jahres. Inzwischen seien die Internet-Infrastrukur und die technische Entwicklung bei iPods so weit fortgeschritten, um das Gehör als zweitwichtigstes Sinnesorgan noch besser zu bedienen. Unternehmenskommunikation finde also heute nicht nur über Text, sondern verstärkt über Ton- und Bildinhalte statt.

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