Spendengelder machen Geschäftemacher reich

von Ramona Hapke am Mittwoch, 12. November 2008 Kategorie(n): Allgemein, Persönliches

Vor Weihnachten häufen sich die Spendenaufrufe und Spendenaktionen merklich. Wer spendet, tut dies aus Überzeugung und von ganzem Herzen gerne. Oftmals fragen wir uns, ob die Spenden auch wirklich bei den Bedürftigen ankommen. Im Falle einer Spendenbitte der MFK Mund- und Fußmalende Künstler Verlag GmbH, die ich heute in meinem Briefkasten vorfand, kommen mir arge Zweifel. Sie weckte meine journalistische Neugier, weil hier durch gefühlsbetonte Werbung Mitleid erweckt wird. Und siehe da, meine Recherchen bestätigen den Verdacht unseriöser Machenschaften.

Weihnachtskarten, ein Taschenkalender und Geschenkanhänger, versehen mit einem Anschreiben der Mund- und Fußmalerin Antje Kratz wollen das Spenderherz erobern. Die Künstlerin hat den Text mit ihrem Fuß geschrieben, steht erklärend neben den krakeligen Zeilen, dazu eine Anmerkung zu ihrem Schicksal. Mir schickt jemand Geschenke, und dann will ich nichts dafür bezahlen, wird sich so mancher Empfänger der Spendenpost fragen.

Ich aber frage mich, wer hier mit den Gefühlen der Menschen spielt. Meine erster Anruf gilt der Verbraucherberatung Cham (richtigerweise: Verbraucherservice Bayern in KDFB e. V), wo ich schon oft kompetenten Rat bekommen habe. Angela Ederer entschlüpft sofort ein “Aha”. Sie macht mich auf ein Spendensiegel aufmerksam, das das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen/DZI vergibt.

Das DZI (www.dzi.de) ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts und wird getragen vom Berliner Senat, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dem Deutschen Städtetag und von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. Es dokumentiert in seinem nachfrageorientiert geführten Wohlfahrtsarchiv etwa 2.100 Spenden. Ein Blick auf die zahlreichen Hinweise für SpenderInnen lohnt sich: Gleich der erste DZI-Spenden-Tipp besagt:”Spenden vertragen keinen Druck.” Genau! Und noch sehr viele andere Tipps finden sich auf der Website, u. a. zu

Eine Liste mit den “schwaren Schafen” sucht man vergeblich.  Geschäftsführer Burkhard Wilke begründet es wie folgt: Diese Liste wäre nie aktuell, und Rat Suchende würden sich in scheinbarer Sicherheit wiegen. Gefährlich! Anders die Liste mit den Organisationen, die das Spendensiegel zuerkannt bekommen haben. Diese Liste kann man sich auf der Internetseite ansehen. Allerdings hat, wie bereits oben erwähnt, nicht jede gemeinnützige Einrichtung ein solches Siegel, arbeitet aber trotzdem seriös. Burkhard Wilke vermutet, dass die o. g. Firma mit dem Anschein kokettiert, sie sei gemeinnützig.

Wer Rat benötigt, kann sich per Post oder Fax mit einer konkreten Anfrage an das DZI wenden. Drei Auskünfte pro Anfrage sind kostenfrei. Um Missverständnisse bei ähnlich klingenden Namen zu vermeiden, bittet Wilke ausdrücklich um eine schriftliche Anfrage an: DZI – Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen, Bernadottestr. 94, 14195 Berlin. Die Antwort kommt dann ebenfalls per Post zurück.

Eine Auskunft über o. g.  MFK Mund- und Fußmalende Künstler Verlag GmbH konnte ich jedoch nicht bekommen. Hier handele es sich um keine gemeinnützige Organisation, sondern um eine gewerblich tätige Firma, sagt Geschäftsführer Burkhard Wilke.

ABER: Das Internetportal www.heise.de ist meinen Recherchen Jahre voraus. 2004 deckte der Redakteur Helmut Lorscheid auf, wohin die Spenden-Millionen fließen: “In der Kartensendung findet sich kein Hinweis auf die Hintermänner im Steuerparadies Liechtenstein. Erst aus der Stuttgarter Handelsregisterakte des MfK-Verlags (HRB 18764) ergibt sich: der Verlag gehört der “Vereinigung der mund – und fussmalenden Künstler eingetragener Verein mit dem Sitz in Vaduz/Liechtenstein”, kurz: VDMFK.” (Quelle: www.heise.de)

Und so wandert der Brief in meinen Papierkorb …

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